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Inhalte:
Die Art und Weise, wie in der Theorie Gegenstände wie „die Gesellschaft“, „menschliches Handeln“ oder „kulturelle Institutionen“ beschrieben werden, beeinflusst das Verständnis und gegebenenfalls auch die Bewertung dieser Gegenstände. Zugleich sind Wertungen bei der Beschreibung von Gesellschaft, menschlichem Handeln und Institutionen nicht nur häufig selbst Gegenstand, sondern teils auch ein wesentlicher Bestandteil dieser Beschreibungen.
Das Verhältnis zwischen Beschreiben und Beurteilen wird in der Theorie generell unter dem Titel der Normativität diskutiert. Eine wichtige Diskussion ist dabei die um das Sein-Sollen-Problem, betrifft also die Frage, ob aus einem Sein ein Sollen abgeleitet werden kann – ob beispielsweise die Ungleichverteilung wichtiger Güter an sich die Forderung nach Umverteilung begründet.
In diesem Seminar, das von Georg Datler aus der Soziologie und Eva Weiler aus der Philosophie unterrichtet wird, wollen wir uns aus den jeweiligen disziplinären Perspektiven mit dem Verhältnis von Beschreiben und Beurteilen auseinandersetzen und fragen, ob und in welcher Weise sich philosophische und soziologische Zugänge unterscheiden. Dazu werden wir uns mit Theorien auseinandersetzen, die versuchen zu verstehen und zu beschreiben, was Gesellschaften sind und dabei mehr oder weniger explizit das Verhältnis von Beschreiben und Bewerten in Bezug auf deren Konzeptualisierung thematisieren. Für Studierende der Philosophie kann dieses Seminar eine größere Klarheit darüber bringen, was einen spezifisch philosophischer Zugang zu Texten und Fragestellungen ausmacht, der sich vom Zugang empirischer Wissenschaften unterscheidet. Für Studierende der Soziologie bietet es umgekehrt einen Reflexionsraum für die spezifischen theoretischen Anforderungen an eine empirische Wissenschaft, deren Gegenstände in normative Bezugssysteme eingebunden sind.
Geplant ist die Lektüre von Texten von John Dewey, Günter Dux, Philippe Descola und Rahel Jaeggi. Da es sich um ein Lektüreseminar mit einer intensiven Diskussion theoretischer Texte handelt, werden regelmäßige Teilnahme sowie eine regelmäßige Vorbereitung vorausgesetzt. |