Inhalte:
Diese literaturwissenschaftliche Vorlesung widmet sich der Frage, wie geschichtliche Erfahrungen in den Literaturen Spaniens und Lateinamerikas gestaltet und vermittelt werden. Im Mittelpunkt steht nicht nur, was erzählt wird, sondern wie erzählte Zeit mit erlebter Geschichte verschränkt wird. Wir werden von den Zeugnissen der „drei Kulturen“ vor 1492 ausgehen, Ausschnitte aus den Chroniken der Eroberung von und Gegenstimmen der Frühen Neuzeit kennenlernen und das historische Erzählen des 19. Jahrhunderts diskutieren. Hinzu kommen Erzählungen des Spanischen Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur bis hin zu den Militärdiktaturen in Lateinamerika. Dabei werden auch Exilerfahrungen, Migrationsgeschichten, afro- und indigene Stimmen sowie dekoloniale Reflexionen in den Blick genommen.
Anhand eines breiten Spektrums literarischer Formen von Chroniken, Testimonios und Kurzgeschichten über Romankapitel analysieren wir, wie Autor:innen historische Ereignisse, kollektive Erfahrungen, Gewalt und gesellschaftlichen Wandel in Erzählformen übersetzt haben. Dabei werden historische Zusammenhänge ebenso beleuchtet wie narrative Strategien, die kulturelle Erinnerung prägen.
Die Veranstaltung richtet sich auch ausdrücklich an künftige Spanisch-Lehrer:innen und bietet diesen ein fundiertes Repertoire an Beispielen und Analyseansätzen, die didaktisch im Unterricht einsetzbar sind. Neben der historischen und kulturellen Kontextualisierung werden methodische Zugänge behandelt, mit denen literarische Texte für Lernende lebendig werden.
Ein besonderes Highlight sind zwei Gastvorlesungen von Prof. Dr. Martín Koval (Universidad de Buenos Aires). Sie ermöglichen den Studierenden die direkte Begegnung mit einer internationalen wissenschaftlichen Perspektive auf die Literaturen und Erinnerungskulturen Lateinamerikas.
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