Globale Herausforderungen wie Klimawandel, gewaltsame Konflikte, wachsende Ungleichheiten, digitale Transformation und Gesundheitskrisen überschreiten staatliche Grenzen und erfordern Formen koordinierten Handelns jenseits des Nationalstaats. Zugleich stehen die Institutionen, Regeln und normativen Grundlagen globalen Regierens unter erheblichem Druck. Machtverschiebungen, geopolitische Rivalität, regionale und plurilaterale Kooperation sowie Forderungen nach einer gerechteren Repräsentation und Mitgestaltung durch Akteure des Globalen Südens prägen gegenwärtige Debatten über die Zukunft der Weltpolitik und konkurrierende Ordnungsvorstellungen.
Das Seminar führt in zentrale Begriffe, Ansätze und Kontroversen der Global Governance-Forschung ein. Im ersten Teil werden theoretische Grundlagen globalen Regierens behandelt. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen von Macht, Autorität, Legitimität und Verantwortung sowie die Rolle von Normen, Kontestation und Hybridität. Kritische, feministische, dekoloniale und politökonomische Perspektiven dienen dazu, Voraussetzungen, Ausschlüsse und Machtverhältnisse globaler Governance kritisch zu reflektieren.
Ein zweiter Teil untersucht Akteure, Institutionen und Instrumente globalen Regierens im Kontext des gegenwärtigen Ordnungswandels. Im Mittelpunkt stehen dabei die wachsende Bedeutung nichtstaatlicher Akteure und Formen privaten bzw. hybriden Regierens sowie Prozesse institutioneller Differenzierung und Fragmentierung globaler Governance. Diskutiert werden zudem die Krise und Transformation der liberalen internationalen Ordnung sowie unterschiedliche Deutungen gegenwärtiger Weltpolitik (bspw. ‚Multipolarität‘, ‚Multiplexität‘, ‚postliberale Weltordnung‘ und ‚Interregnum‘).
Im dritten Teil werden diese Konzepte und Debatten anhand ausgewählter Politikfelder mit Relevanz für die Nord-Süd-Beziehungen vertieft. Im Fokus stehen globale Sicherheitsgovernance - insbesondere nukleare Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung-, globale Klima- und digitale Governance sowie Menschenrechte und Entwicklung. Das Seminar fragt danach, unter welchen Bedingungen globale Kooperation möglich bleibt, welche Akteure und Wissensbestände dabei berücksichtigt werden und wie die Chancen sowie Grenzen komplexer Steuerungsansätze in einer fragmentierten Weltordnung zu bewerten sind.
Eine Übersicht über die einzelnen Sitzungen wird zu Beginn des Semesters versendet. Zu diesem Zeitpunkt wird auch ein Moodle-Kursraum zur Verfügung gestellt.
Lernziele
Die Studierenden verstehen zentrale Probleme, Herausforderungen und Kontroversen bisheriger Versuche internationalen Regierens. Sie können unterschiedliche Konzepte von Global Governance und internationaler Ordnung unterscheiden, auf empirische Fälle anwenden und ihre jeweiligen Stärken, Grenzen und normativen Implikationen kritisch abwägen.
Darüber hinaus können sie die Auswirkungen von Globalisierung, Machtverschiebungen und normativer Pluralisierung auf das Regulierungspotenzial bestehender Global-Governance-Architekturen und theoretischer Entwürfe von globalem Regieren einschätzen.
Weitere Hinweise
Von den Studierenden wird im Verlaufe des Seminars ein mündlicher oder schriftlicher Input erwartet. Das Seminar schließt mit einer mündlichen Prüfung ab.
Das Seminar wird in der Regel in Präsenz stattfinden; ausnahmsweise kann es virtuelle Sitzungen geben. Die erste Sitzung findet am 12. Oktober 2026 statt. |