| Kommentar |
Zusammenfassung
Die planetare Vielfachkrise ist zum diskursiven Referenzpunkt für die (globale) Umweltpolitik geworden. Aber während Menschen das Ausmaß der Krise durch Extremwetterereignisse zunehmend am eigenen Leibe, wenngleich in unterschiedlicher Intensität, erleben, haben „Business-as-usual“-Strategien durch den fossilen Backlash der letzten Jahre wieder an Aufwind gewonnen. In dieser Gemengelage trifft also steigender Handlungsdruck auf geringe Handlungsbereitschaft, was viele hochpolitische Fragen aufwirft: Welche Diagnosen der planetaren Vielfachkrise setzen sich diskursiv durch? Welche Bezüge werden zwischen ökologischen und sozialen Problemen hergestellt? Welche Maßnahmen schlagen zentrale Akteure vor? Welche werden umgesetzt? Welche Gerechtigkeitskonzeptionen sind bei der Bearbeitung der Krise im Umlauf?
Diese Fragen skizzieren die thematische Ausrichtung des Seminars. Der didaktische Schwerpunkt der Veranstaltung liegt dabei auf der praktischen Anwendung von Kenntnissen politikwissenschaftlicher Forschungsdesigns und Methoden, mit denen Studierende dank vorheriger Veranstaltungen grundsätzlich vertraut sein sollten. Dabei erwerben Studierende nicht nur Kompetenzen in der Anwendung einzelner qualitativer oder quantitativer Methoden, sondern auch in der gezielten Verknüpfung unterschiedlicher Methoden (im Rahmen von multi-methodalen oder Mixed-Methods-Ansätzen).
Das Seminar deckt die folgenden zentralen Themen ab:
- Konzeptionelle und empirische Grundlagen der planetaren Vielfachkrise („Great Acceleration“, „planetary boundaries“, „doughnuts“)
- Institutionen der internationalen Umweltpolitik, Akteursnetzwerke, Instrumente des globalen Regieren
- Schwerpunktthemen: Erderwärmung, Artensterben/Biodiversitätsverlust, Verschmutzung
Relevante Literatur (die z.T. auch Pflichtlektüre sein wird)
Bhavnani, Kum-Kum, et al. (Hrsg.) (2022) Climate Futures: Reimagining Global Climate Justice, London: Bloomsbury Publishing.
Clapp, Jennifer/Dauvergne, Peter (2005) Paths to a Green World: The Political Economy of the Global Environment, Cambridge, MA: MIT Press.
Dryzek, John S. (2022) The Politics of the Earth: Environmental Discourses, 4. Aufl., Oxford: Oxford University Press.
Fanning, Andrew L., et al. (2022) „The social shortfall and ecological overshoot of nations“, Nature Sustainability, 5(1): 26-36.
Fukuda-Parr, Sakiko/Muchhala, Bhumika (2020) „The Southern origins of Sustainable Development Goals: Ideas, actors, aspirations“, World Development, 126: 104706.
Gerring, John (2011) „How good is good enough? A multidimensional, best-possible standard for research design“, Political Research Quarterly, 64(3): 625-636.
Morin, Jean-Frédéric/Orsini, Amandine/Jinnah, Sikina (2020) Global Environmental Politics, Oxford: Oxford University Press.
Passarelli, David/Denton, Fatima/Day, Adam (2021) Beyond Opportunism: The UN Development System’s Response to the Triple Planetary Crisis, New York, NY: United Nations University. <https://i.unu.edu/media/cpr.unu.edu/attachment/4977/ UNUTriplePlanetaryCrisis2021.pdf>.
Rockström, Johan, et al. (2009) „A safe operating space for humanity“, Nature, 461(7263): 472-475.
Seawright, Jason/Gerring, John (2008) „Case selection techniques in case study research: A menu of qualitative and quantitative options“, Political Research Quarterly, 61(2): 294-308.
Steffen, Will, et al. (2015) „The trajectory of the Anthropocene: The Great Acceleration“, The Anthropocene Review, 2(1): 81-98. |
| Literatur |
Relevante Literatur (die z.T. auch Pflichtlektüre sein wird)
Biermann, Frank/Kanie, Norichika/Kim, Rakhyun E. (2017): Global governance by goal-setting: the novel approach of the UN Sustainable Development Goals. Current Opinion in Environmental Sustainability 26–27: 26–31.
Bogers, Maya et al. (2022): The impact of the Sustainable Development Goals on a network of 276 international organizations. Global Environmental Change 76: 102567.
Fukuda-Parr, Sakiko/Muchhala, Bhumika (2020): The Southern origins of sustainable development goals: Ideas, actors, aspirations. World Development 126: 104706.
Gerring, John (2011): How Good Is Good Enough? A Multidimensional, Best-Possible Standard for Research Design. Political Research Quarterly 64(3): 625–636.
Gerring, John (2011): Social Science Methodology: A Unified Framework. Cambridge: Cambridge University Press.
Grek, Sotiria (2020): Prophets, saviours and saints: Symbolic governance and the rise of a transnational metrological field. International Review of Education 66(2): 139–166.
Hickel, Jason (2019): The contradiction of the sustainable development goals: Growth versus ecology on a finite planet. Sustainable Development 27(5): 873–884.
World Commission on Environment and Development (1987): Report of the World Commission on Environment and Development: Our Common Future. <https://sustainabledevelopment.un.org/content/documents/5987our-common-future.pdf>. |
| Bemerkung |
In der globalen Politik gilt das Konzept der „nachhaltigen Entwicklung“ trotz aller Kritik von ganz links bis ganz rechts im politischen Spektrum seit mehreren Jahrzehnten als diskursiver Ankerpunkt. Mit der Verabschiedung der Sustainable Development Goals (SDGs) bekam diese Idee 2015 eine konkrete institutionelle Ausgestaltung verbunden mit dem Anspruch, diese Ziele bis 2030 zu erreichen („Agenda 2030“). Schon heute wird darum gerungen, was nach 2030 auf die SDGs folgen soll. Die Debatten sind dabei hochpolitisch, wobei viele Streitpunkte keinesfalls neu sind: Sind globale Instrumente und die internationalen Institutionen, die sie tragen, überhaupt sinnvoll und zeitgemäß? Falls ja, wie sind sie zu gestalten? Wie verträgt sich Entwicklung mit Nachhaltigkeit? Ist Entwicklung gleichbedeutend mit Wirtschaftswachstum? Diese Fragen skizzieren das Terrain, in dem die Idee der nachhaltigen Nachhaltigkeit gestritten wurde und wird.
Das Seminar verbindet diesen thematischen Schwerpunkt mit der praktischen Anwendung von Kenntnissen im Bereich Forschungsdesigns und Methoden, die den Studierenden aus vorherigen Veranstaltungen vertraut sein sollen. Diese praktische Anwendung findet im Rahmen kleiner Gruppenprojekte statt, in denen die Studierenden mit qualitativen und quantitativen Methoden gleichermaßen arbeiten können wie mit Mixed Methods.
Das Seminar deckt die folgenden zentralen Themen ab:
- Debatte um (grünes) Wachstum vs. Postwachstum
- Theorien der Internationalen Beziehungen mit Bezug auf nachhaltige Entwicklung
- Internationale Institutionen
- Instrumente nachhaltiger Entwicklung (v.a. SDGs)
- Nord-Süd-Beziehungen
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