Diskurse prägen Gesellschaft
Gesellschaften sind geprägt durch ein immerwährendes Ringen unterschiedlicher Kräfte um Vorherrschaft - ganz wesentlich findet dieses Ringen um Vorherrschaft im Diskurs statt. Unter Diskurs lassen sich alle Handlungen verstehen, die Bedeutungen artikulieren und austauschen: Ein persönliches Gespräch zwischen Freunden, eine stumme Geste der Zustimmung, ein Tweet, ein Parteiprogramm oder eine Aktivistin mit Plakat vor dem Kanzleramt - all diese Artikulationen sind Teil des Diskurses und prägen damit die diskursiven Dynamiken einer Gesellschaft.
Wie über Themen in einer Gesellschaft gesprochen und gedacht wird, prägt das Handeln der Menschen. Die Analyse des Diskurses lässt also soziale Strukturen, Ereignisse und vor allem Veränderungsdynamiken verstehen. Ein aus dieser Perspektive interessantes Phänomen ist der Rechtspopulismus, denn rechtspopulistische Parteien und Bewegungen prägen in der Gegenwart wesentliche Bereiche des politischen Diskurses. Sie wenden dabei - ob intuitiv oder aber strategisch bewusst - diskursive Strategien an, die im Fokus der hier gewählten diskursanalytischen Methode von Laclau und Mouffe (Hegemonieanalyse) stehen. Derartige diskursive Strategien sind bspw. das Arbeiten mit Feindbildern (Antagonismen), ein fortwährendes Verschieben des Denk- und Sagbaren oder aber politische Interventionen in der Tradition von Antonio Gramsci, die eher über kulturelle Institutionen Gesellschaften transformieren wollen.
Methode: Qualitative Analyse des Rechtspopulismus
Das zweisemestrige Lehrforschungsprojekt vermittelt die Methode der qualitativen Diskursanalyse anhand des Untersuchungsgegenstandes rechtspopulistischer Phänomene und Strategien.
In der von uns angewandten Analyse diskursive Hegemonien wird die Betrachtung großflächige Dynamiken im Diskurs (bspw. die Verschiebung von Stimmungslagen oder Sagbarkeiten) mit der Detailanalyse einzelner Artikulationen (bspw. eine Rede eines Politikers oder alltägliche Konversationen) verbunden.
Qualitativ ist diese Methode, weil die detaillierte Untersuchung der einzelnen Artikulationen (Parlamentsreden, Parteiprogramme, Forderungen einer sozialen Bewegung...) im Mittelpunkt der Analyse steht. Über Hilfsmittel wie Visualisierungen, Analysesoftware MAXQDA oder KI wird aus den einzelnen Analysepunkten ein großflächiges Bild der untersuchten diskursiven Dynamiken.
Didaktisches Konzept
Im Mittelpunkt der Übung steht die Vermittlung der diskursanalytischen Methode. Von der ersten Sitzung an steht das Ziel des Kurses im Mittelpunkt: die Konzeption und Umsetzung eines eigenständigen diskursanalytischen Forschungsprojektes. So früh wie möglich werden entsprechend erste Übungsschritte unternommen, die dann in das eigenständige Forschungsprojekt einfließen.
Diese Methodenübung wurde in den vergangenen 10 Jahren schon von über 400 StudentInnen erfolgreich abgeschlossen. Über diesen Zeitraum wurde und wird das Kurskonzept fortwährend entlang des studentischen Feedbacks sowie der sich ändernden wissenschaftlichen und didaktischen Anforderungen optimiert. |