| Kommentar |
Psychologische Reaktanz beschreibt die Reaktion von Menschen auf wahrgenommene Einschränkungen ihrer Handlungs- oder Entscheidungsfreiheit. Während die psychologische Forschung Reaktanz vor allem als Zusammenspiel kognitiver und affektiver Prozesse untersucht, richtet dieses Seminar den Blick auf ihre kommunikative Herstellung und Aushandlung in sozialer Interaktion. Reaktanz wird dabei als besondere Form kommunikativen Widerstands verstanden, die sich beispielsweise in Gegenargumenten, Verzögerungen, Disalignment, affektiven Displays oder multimodalen Praktiken beobachten lässt. Das Seminar führt in die genannten Konzepte ein und diskutiert, wie sich psychologische Phänomene anhand natürlicher Interaktionsdaten empirisch untersuchen lassen. Ein wesentlicher Bestandteil des Seminars ist die gemeinsame Durchführung einer eigenen videobasierten Studie. Die Teilnehmenden entwickeln ein (semi-experimentelles) Erhebungsdesign, erheben Daten und analysieren ausgewählte Sequenzen mit konversationsanalytischen, multimodalen und kategorienanalytischen Verfahren. Die erhobenen Daten bilden zugleich die Grundlage für die Seminararbeiten. Das Seminar richtet sich an Studierende mit Vorkenntnissen in der ethnomethodologischen Konversationsanalyse und/oder der Membership Categorization Analysis. Diese werden vorausgesetzt; alternativ wird die Bereitschaft erwartet, sich selbstständig in die entsprechenden Methoden einzuarbeiten. |