| Kommentar |
Empathie wird häufig als individuelle Fähigkeit oder innere Empfindung verstanden. Aus konversationsanalytischer Perspektive stellt sich jedoch die Frage, wie Empathie in der sozialen Interaktion sprachlich und körperlich hervorgebracht, angezeigt und von Gesprächsbeteiligten ausgehandelt wird. Das Seminar untersucht Empathie als interaktionales Phänomen anhand authentischer Gesprächsdaten und rekonstruiert kommunikative Praktiken, mit denen Verstehen, Mitgefühl und Anteilnahme in informellen sowie institutionellen Gesprächen hergestellt werden. Auf Grundlage zentraler Konzepte der Konversationsanalyse werden theoretische Ansätze zu Verstehen, Emotion, Affekt und epistemischer Positionierung in der Interaktion erarbeitet. Darauf aufbauend analysieren die Studierenden unterschiedliche Formen von Empathiedisplays, darunter retrospektive und prospektive Verfahren sowie deren Ausprägungen in verschiedenen institutionellen Kontexten. Ein Schwerpunkt liegt auf der empirischen Analyse authentischer Gesprächsdaten. Die Studierenden wenden konversationsanalytische Methoden an, erstellen Transkripte nach GAT 2, arbeiten mit EXMARaLDA und nutzen Gesprächskorpora wie FOLK. In Forschungswerkstätten analysieren sie Gesprächsdaten und entwickeln eigene Fragestellungen. Ziel des Seminars ist es, Empathie als interaktionales Phänomen zu verstehen, gesprächsanalytische Methoden sicher anzuwenden und eine eigenständige empirische Forschungsfrage für eine Hausarbeit oder eine andere Prüfungsleistung zu entwickeln |