| Kommentar |
Hausärztliche Professionalität zeigt sich nicht allein in medizinischem Fachwissen oder leitliniengerechten Entscheidungen. Sie entsteht in der Kommunikation mit Patienten, Angehörigen und dem Praxisteam, im Umgang mit Unsicherheit sowie in der situativen Aushandlung von Rollen, Erwartungen und Verantwortung. Professionalität kann damit als kommunikativ hervorgebrachte soziale Praxis verstanden werden. So verbindet das Blockseminar theoretische Perspektiven auf Professionalität mit kommunikationswissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Ansätzen zu Interaktion, professioneller Kommunikation und Praxis. Vor diesem Hintergrund werden Konzepte professionellen Handelns sowie interaktionistische Perspektiven erarbeitet, die Professionalität als soziale Praxis begreifen: als etwas, das in konkreten Gesprächen, Blicken, Gesten und Entscheidungsprozessen sichtbar und mitunter auch brüchig wird. Vertiefend führen die Studierenden nach einer kurzen Einführung in die Grundlagen ethnographischer Forschung eine fokussierte Beobachtung durch, die auf ein eigenständig gewähltes Erkenntnisinteresse zur Herstellung von Professionalität ausgerichtet ist. Anhand von Videomaterial einer hausärztlichen Sprechstunde wird schließlich gemeinsam analysiert, wie Professionalität kommunikativ und interaktiv hergestellt, legitimiert und teilweise auch infrage gestellt wird. Ziel ist es, ein differenziertes Verständnis dafür zu entwickeln, wie professionelles Handeln in einer Hausarztpraxis interaktiv gelingt – und wo es an seine Grenzen stößt. |