Inhalte: Vermögen ist deutlich ungleicher verteilt als Einkommen – und über kaum eine ökonomische Größe wissen wir so wenig. Zugleich entscheidet Vermögen maßgeblich über Lebenschancen, Sicherheit und gesellschaftliche Teilhabe: Es wird in Familien gehalten, vererbt und strategisch weitergegeben, verschafft politischen Einfluss und wirft grundlegende Gerechtigkeitsfragen auf. Als leitende Analysekategorie dient dabei der Klassenbegriff – Vermögen erscheint nicht nur als Verteilungsgröße, sondern als Quelle sozialer Lage und politischer Macht. Wir fragen zunächst, wie ungleich Vermögen verteilt ist, wie es gemessen wird und woher es stammt – und stoßen dabei rasch auf die Familie als zentrale Institution seiner Weitergabe. Von dort führt der Weg zur Frage, wie sich Vermögen in Einfluss übersetzt und warum sich hohe Vermögen politisch so schwer besteuern lassen, und schließlich zur normativen Auseinandersetzung darüber, ob extremer Reichtum ein Problem ist und ob sich Erben rechtfertigen lässt. Der eigentliche Ertrag liegt weniger in diesen Einzelfragen als in ihren Verschränkungen: wie sich Verteilung in Macht übersetzt, wie strukturelle Macht normative Legitimationen erzeugt und wie Klassenlagen über politische Repräsentation zurückwirken. Empirische Befunde, wirtschaftssoziologische Analyse und normative Argumentation greifen so ineinander, statt nebeneinander zu stehen. Den Abschluss bildet eine Postersession, auf der die Studierenden eigene empirische oder konzeptionelle Analysen zu einer selbst gewählten Fragestellung präsentieren.
Lernziele:
Die Studierenden . . .
• können zentrale Kennziffern und Datenquellen der Vermögensforschung (Median/Mittelwert, Perzentile, Gini; SOEP, HFCS) einordnen und deren Grenzen – insbesondere am oberen Rand der Verteilung – benennen;
• kennen soziologische Erklärungen der Vermögensreproduktion über Familie und Erbschaft (Bourdieu, Beckert, Bessière/Gollac) und können Vermögen mit klassenanalytischen Begriffen (Bourdieu, Wright) einordnen;
• können Machtkonzepte (Lukes’ drei Dimensionen, strukturelle Macht nach Lindblom) auf das Verhältnis von Vermögen und Politik anwenden;
• können normative Positionen zu Reichtum und Erbschaft (Neuhäuser, Robeyns) rekonstruieren und argumentativ vertreten bzw. kritisieren;
• können unterschiedliche Zugänge zum Thema aufeinander beziehen – etwa zeigen, wie sich Vermögensverteilung in politische Macht übersetzt und welche normativen Fragen daraus folgen;
• können eine eigene Fragestellung entwickeln und die Ergebnisse in Form eines wissenschaftlichen Posters aufbereiten und verteidigen. |