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Wirtschaftliche Ausbeutung, Benachteiligung aufgrund des Geschlechts, Diskriminierung und Gewalt aufgrund der Hautfarbe – diese Phänomene gehören zu den drängendsten Problemen moderner Gesellschaften. Häufig werden sie als Fehlverhalten einzelner betrachtet, und entsprechend werden Lösungen in individuellen Verhaltensänderungen gesucht. Einige Theorien gehen jedoch weiter: Sie begreifen solche Handlungen und Einstellungen nicht als isolierte Einzelfälle, sondern als Ausdruck tieferliegender gesellschaftlicher Strukturen, durch die Teile der Bevölkerung systematisch beherrscht oder ausgeschlossen werden. Aber was ist damit genau gemeint – und wer herrscht hier eigentlich über wen?
Genau diese Fragen stehen im Mittelpunkt des Seminars. Setzt Herrschaft notwendig identifizierbare Akteure voraus? Oder kann sie auch als Eigenschaft oder Wirkung gesellschaftlicher Strukturen verstanden werden? Aber ist es überhaupt plausibel, nicht Handelnde, sondern Strukturen für gesellschaftliche Probleme verantwortlich zu machen? Und wenn ja: kann eine solche Herrschaft qua Struktur überwunden werden?
Diese Fragen sind nicht nur akademisch bedeutsam, sondern auch politisch und rechtlich relevant: Von ihrer Beantwortung hängt ab, wo Verantwortung liegt und wo Veränderung oder Widerstand ansetzen kann. Klassenherrschaft, Patriarchat und Rassismus sind dabei die drei Formen von Herrschaft und Benachteiligung, hinsichtlich derer die These ihrer Verankerung in gesellschaftlichen Strukturen zentral vertreten wird. Anhand ausgewählter Texte werden im Seminar wichtige Beiträge gemeinsam diskutiert, die diese These vertreten, verteidigen oder problematisieren. |